Sonntag, 05. September 2010
 
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FAQ  

• Seit wann machen Sie Bauchtanz?
Zu lernen begonnen habe ich Anfang der 90er Jahre. Als Dozentin bin ich seit 1996 tätig. Meinen Lebensunterhalt verdiene ich mit dem Bauchtanz seit 2006.

• Ist Bauchtanz ein auf Erotik abzielender Tanz?
Nein. Bauchtanz ist früher, also vor Tausenden von Jahren, ein ritueller Tanz gewesen, der heute völlig andere Formen und Ansätze hat, als der ursprüngliche Tanz. Er galt als Fruchtbarkeitsritual, als Frauentanz, als Geburtstanz. Heute ist er ein Bühnen- oder Showtanz mit völlig anderen Ansätzen. Bauchtanz wurde früher nur unter Frauen getanzt, um beispielsweise eine Gebärende beim Geburtsvorgang zu unterstützen. Der Bauchtanz heute ist eine Kunstform, die viele Menschen begeistert und fasziniert und dadurch eine entsprechende Weiterentwicklung erfahren hat. Es gibt Bauchtanzfestivals, Messen, Bauchtanzwettbewerbe, Vereine, Fachmagazine, Bauchtanzausbildungen und vieles mehr. Die weltweite Community ist riesig.

Es gibt aber durchaus Frauen, die den Bauchtanz auf anzügliche Weise darbieten und ihm einen betont erotischen Schwerpunkt verleihen. Ich ziehe es vor, ihn auf künstlerisch anspruchsvolle Art vorzutragen und zu vermitteln. Ich habe eine ethische Verpflichtung dieser Kunst gegenüber, die ich ernst nehme. Bauchtanz hat grundsätzlich nichts mit Prositution oder sexuell gearteter Animation zu tun.

• Muss man dick sein, um Bauchtanz auszuüben?
Die Figur spielt keine Rolle. Genausowenig, wie sie beim Jazzdance oder Hiphop eine Rolle spielt. Der Begriff "Bauchtanz" ist in dieser Hinsicht sehr verwirrend. Man braucht weder einen "Bauch", noch tanzen wir nur mit dem Bauch. Beim Bauchtanz wird der ganze Körper beansprucht. Charakteristisch für den Bauchtanz sind aber Bewegungen im Beckenbereich und Isolationen.
Ein dicker Bauch würde im Übrigen viele der Bewegungen weniger zur Geltung bringen, als bei einem schlanken oder normal gebauten Menschen.

• Warum heißt Bauchtanz "Bauchtanz"?
Man geht davon aus, dass diese Bezeichnung vor ein paar Hundert Jahren von ausländischen Touristen im Orient geprägt wurde. Der arabische Begriff für Bauchtanz lautet "Raqs Sharqi", was "Tanz des Ostens" bedeutet.

• Wo haben Sie Bauchtanz gelernt?
Ich habe mich seit meiner Kindheit damit befasst und die Bewegungen aus spielerischer kindlicher Neugier ausprobiert. Sie flossen ganz natürlich aus mir heraus. Später nahm ich dann in Deutschland und Ägypten Unterricht.

• Welches Alter ist angebracht, um Bauchtanz zu lernen?
Es gibt keine Altersbeschränkung, um den Bauchtanz auszuüben oder zu erlernen. Das sollte jede/r Interessierte/r einfach ausprobieren. Jeder Lehrer unterrichtet anders und hat einen anderen Stil. Manche Dozenten sind mehr oder weniger sportlich im Tanz. Deshalb empfiehlt es sich, ein paar Schnupperstunden bei verschiedenen Anbietern auszuprobieren. Und nicht gleich aufgeben, wenn beim ersten Probetanzen die Puste ausgeht. Bauchtanz ist ein Tanz, der alles fordert, was man benötigt, um Tanz zu erlernen. Warmup, Dehnen, verschiedene Lernmethoden und Tanztechniken werden eingesetzt. Jeder, der Bauchtanz anfangen möchte, sollte wissen, dass diese Tanzform eine Menge Herausforderungen an Koordination, Flexibilität und Kraft stellt. Jeder muss für sich das richtige Angebot herausfinden.

• Bauchtanz sieht so leicht aus. Ist er das?
Nein. Es braucht Jahre oder gar Jahrzehnte, um diese Leichtigkeit und die für den Bauchtanz typischen fließenden Bewegungen zu trainieren. Wir arbeiten beim Bauchtanz mit Isolationstechniken, die es ermöglichen, jeden Körperteil einzeln und unabhängig von einem anderen zu bewegen. Dadurch wird über einen langen Zeitraum ein enormes Körperbewusstsein aufgebaut, was einen sehr positiven Einfluss auf den gesamten Menschen hat. Wer sich in Geduld übt und eine gewisse Demut an den Tag legt, wird am schnellsten profitieren. Wenig hilfreich beim Lernen des Bauchtanzes sind Ungeduld und Arroganz. Es sollte auch möglich sein, regelmäßig die Kurse zu besuchen, um Frustrationen vorzubeugen, die auftauchen können, wenn die Fortschritte der anderen Kursteilnehmer schneller zu sehen sind, als die eigenen. Übung macht den Meister!

• Muss man nicht Orientale sein, um bauchtanzen zu können?
Nein. Dieser Mythos ist weit verbreitet. Um eine kulturell verknüpfte Kunstform zu lernen, muss man nicht aus der Kultur stammen, in der sie kultiviert wurde. Genausowenig kann jeder Bayer automatisch den Schuhplattler tanzen oder Jodeln (einer der besten Jodler ist übrigens ein Japaner). Ob man etwas "im Blut" hat oder nicht, hängt eher vom Talent der jeweiligen Person ab, und nicht unbedingt von ihrer Herkunft. Auch Deutsche sind in der Lage, den Bauchtanz in seiner Essenz zu erfassen und als Kunstform zu präsentieren.

• Wie sieht ein Bauchtanzkostüm aus?
Ursprünglich bestand das Bauchtanzkostüm aus einem durchgängigen Kleid und einem Hüftschal oder Münzgürtel. Auch wurden Pumphosen und lange Westen und Blusen getragen. Die freizügigere Variante des Bauchtanzkostüms entstand erst in den 30er/40er Jahren in Ägypten, beeinflusst durch die 1001-Nacht-Fantasien Hollywoods.Ob geschlossenes Kleid oder Zweiteiler - das liegt im Ermessen der jeweiligen Tänzerin.

• Tanzen Sie auch auf dem Tisch?
Das hängt von den Bedingungen ab. Es gehört nicht unbedingt zum alltäglichen Auftreten und begrenzt sich auf wenige orientalische Kulturen. Bei türkischen Festen kann man öfter Tänzerinnen auf Tischen tanzen sehen.

• Darf man Ihnen Trinkgeld anstecken?
Solange das respektvoll und mit Zurückhaltung geschieht, freue ich mich über eine zusätzliche Anerkennung.

• Wo tanzen Sie? Kann man Sie mal live sehen?
Ich tanze mehr oder weniger regelmäßig im Restaurant Arabesk in München. Ab und zu im Restaurant Liman oder auf dem Sommertollwood im Marrakesch-Zelt oder auf anderen Festivals.
Meist sind die Auftritte so kurzfristig, dass ich sie nicht im Terminkalender eintrage. Also am besten in den genannten Restaurants anfragen - oder sich überrraschen lassen.
Ansonsten buchen mich meist KUnden/Agenturen für geschlossene Gesellschaften, wo fremde Zuschauer leider keinen Zutritt haben.

• Erfüllen Sie auch Sonderwünsche, wie z.B. aus einer Torte zu steigen?
Darüber lässt sich reden.

• "Bitte nehmen Sie eine Rose zwischen die Zähne und 'betanzen' Sie den Jubilar."
Tut mir leid. Ich überreiche keine Rosen zwischen den Zähnen und auch nicht aus dem Kostümoberteil ragend. Was ich anbieten kann ist, eine Rose zu überreichen, wie man immer eine Rose überreicht: Von Hand zu Hand - oder auf dem Kopf balancierend.

• Ich möchte Sie buchen. Kann ich Sie vorher tanzen sehen?
Wenn sich die Gelegenheit ergibt, können Sie mich bei einem öffentlichen Auftritt sehen oder Videomaterial anfordern.

• Können auch Männer bauchtanzen?
Natürlich. Jeder Mensch kann Bauchtanz lernen.

• Ist es nicht so, dass nur schwule Männer bauchtanzen?
Nein, durchaus nicht.
Die Klassen sind nicht unbedingt überlaufen mit männlichen Schülern (ich würde mich über mehr freuen), aber es gibt dennoch einige Männer, die aus Neugierde, der Freude und Begeisterung an Musik und Bewegung Bauchtanz machen. Männer, traut Euch nur!